Die Tür, die jeder kennt
Zur Ritze liegt an der Reeperbahn 140, in einem Durchgang, den man von der Straße leicht übersieht. Erkennbar ist der Eingang an zwei gespreizten Frauenbeinen in High Heels, die links und rechts der Tür an die Wand gemalt sind.
Unten steht ein Boxring, oben hängen signierte Fotos an den Wänden. Geöffnet ist jeden Tag; bei Google steht die Kneipe bei 4,4 von 5 Sternen aus fast 4.000 Bewertungen.
Hanne Kleine und der Boxkeller
1974 richtete der Boxer Hanns Jürgen „Hanne“ Kleine unter dem Palais d’Amour einen Boxkeller ein. Kleine war Amateurboxer und gehörte der DDR-Nationalmannschaft an. Über dem Keller entstand die Kneipe, die er 38 Jahre lang führte – bis zu seinem Tod 2011 im Alter von 79 Jahren.
Im Ring trainierten später Namen, die man kennt: Dariusz Michalczewski, Henry Maske sowie Vitali und Wladimir Klitschko. Bis heute wird dort geboxt, inzwischen mit eigenen Trainerinnen und Trainern.
Ob man als Gast hinunterkommt, ist unterschiedlich: Manche Rezensionen schwärmen vom Keller als Pflichtprogramm, andere standen vor verschlossener Tür. Verlassen sollte man sich nicht darauf.
Vom Pissoir zur Kultkneipe
Der vordere Teil der Ritze war nach Darstellung des Hauses einmal das Pissoir des Palais d’Amour; der hintere Teil kam erst später dazu. Wurde der rote Vorhang zum Anbau zugezogen, hieß das: geschlossene Gesellschaft.
Auch der Name hat eine Geschichte. Bei der Gewerbeanmeldung sollte die Kneipe „Zur Spalte“ heißen. Das war den Behörden zu schlüpfrig, also wurde „Zur Ritze“ daraus.
Die Beine an der Tür stammen vom Kiezmaler Erwin Ross, der halb St. Pauli mit Pin-up-Fassaden ausgestattet hat. Modell stand nach verbreiteter Überlieferung seine eigene Frau.
Heute
Seit 2014/15 führt Carsten Marek die Kneipe, früher Kickbox-Weltmeister, mit einem Team um Ken Hövermann. Übergeben hat sie ihm Kirsten Klein, die Witwe des Gründers. 2024 feierte das Haus sein 50-jähriges Bestehen.
Aus der reinen Milieu- und Boxerkneipe ist längst ein Ort für alle geworden. Udo Lindenberg, Falco und Otto Walkes gehörten zu den Gästen; Jan Fedder nannte die Ritze sein „Wohnzimmer“. Aus der Jukebox laufen alte Ludenlieder.
Zum Haus gehören inzwischen mehr als die Kneipe: der Imbiss Zur Ritze Curry, die Ritze Lounge als Eventfläche, die Show „Kiezlife Live“ aus dem Boxkeller und ein Online-Shop mit Fanartikeln.
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Der Eingang liegt etwas zurückgesetzt an der Reeperbahn und ist leicht zu übersehen. Die bemalte Tür ist das sicherste Erkennungszeichen – im Boden davor liegt ein Stern für Hanne Kleine.
Adresse
Reeperbahn 140
20359 Hamburg, St. Pauli
Eingang im Durchgang, von der Straße leicht zu übersehen.
Öffnungszeiten
- Mo bis Mi 17–2 Uhr
- Do 17–4 Uhr
- Fr und Sa 14–6 Uhr
- So 14–2 Uhr
Stand September 2026.
Geschichte
- 1974 von Hanne Kleine gegründet
- Beine gemalt von Erwin Ross
- Boxkeller unter dem Palais d’Amour
- Seit 2014/15 Carsten Marek
2024 wurden 50 Jahre gefeiert.
Anfahrt
- S1 und S3 Reeperbahn, wenige Minuten
- S1 und S3 Königstraße, rund fünf Minuten
Am westlichen Ende der Reeperbahn.
Eine Kneipe mit Boxring im Keller und einer Tür, die jeder kennt.