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Speicherstadt

Anderthalb Kilometer Backstein auf drei Millionen Holzpfählen. Nachts sieht das Ganze aus wie eine Filmkulisse.

Ein Stadtteil, in dem nie jemand wohnte

Die Speicherstadt ist das größte zusammenhängende Lagerhausensemble der Welt, und sie war nie zum Wohnen gedacht. Hier wurde gelagert: Kaffee, Tee, Kakao, Gewürze, Teppiche. Die Häuser haben deshalb keine Wohnungen, sondern Böden, Winden und Luken zum Wasser hin.

Gebaut wurde ab 1883, fertig war das Ganze erst 1927. Dafür mussten rund 20.000 Menschen ihre Wohnungen auf den Elbinseln verlassen. Was danach entstand, steht seit dem 5. Juli 2015 auf der Liste des UNESCO-Welterbes, gemeinsam mit dem benachbarten Kontorhausviertel.

1,5 kmLänge des Ensembles
26 haFläche mit Fleeten
3,5 Mio.Holzpfähle im Fundament
2015UNESCO-Welterbe
Speicherstadt Hamburg bei Nacht mit beleuchtetem Wasserschloss und Fleet
Das Wasserschloss am Holländischbrookfleet, die meistfotografierte Stelle der Speicherstadt. Foto: Thomas Wolf, CC BY-SA 3.0

Warum die Häuser auf Holz stehen

Der Boden hier ist weich, Marsch und Schlick. Ein Backsteinbau von sieben Geschossen würde einsinken. Die Lösung war die gleiche wie in Venedig: Man rammte Baumstämme in den Untergrund, bis sie auf tragfähigem Sand aufsetzten. Rund 3,5 Millionen Nadelholzpfähle stecken unter der Speicherstadt, bis zu zwölf Meter lang.

Holz hält unter Wasser praktisch ewig, solange kein Sauerstoff herankommt. Genau deshalb funktioniert die Konstruktion bis heute. Sinkt der Grundwasserspiegel, beginnt das Holz zu faulen. Der Pegel wird deshalb überwacht.

Oben auf den Pfählen liegen die Speicherblöcke, ursprünglich siebzehn, heute noch fünfzehn. Sie tragen Buchstaben von A bis X, wobei F und I fehlen. Zusammen kommen sie auf rund 630.000 Quadratmeter Fläche.

Wasserschloss in der Speicherstadt bei Tag mit Backsteinspeichern und Elbphilharmonie im Hintergrund
Bei Tag zeigt sich, wie schmal die Landzunge ist, auf der das Wasserschloss steht. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0

Vom Freihafen zum Museumsviertel

Die Speicherstadt lag im Freihafen, also zollrechtlich außerhalb Deutschlands. Wer hier lagerte, zahlte erst Zoll, wenn die Ware das Gebiet verließ. Das machte den Standort für den Handel interessant und erklärt die Zäune und Zollhäuschen, die es früher an jeder Zufahrt gab.

Der Freihafen wurde 2013 aufgelöst, die Zollgrenze fiel weg. Gelagert wird kaum noch. Geblieben sind einige Teppichhändler, dazu kamen Agenturen, Büros und vor allem Museen. Miniatur Wunderland, Speicherstadtmuseum, Hamburg Dungeon und das Deutsche Zollmuseum liegen alle hier.

Ein Detail, das viele übersehen: Die Fassaden zum Wasser sind schlichter gehalten als die zur Straße. Zum Fleet hin ging es um Funktion, zur Straße hin um Eindruck. Wer beide Seiten desselben Blocks anschaut, sieht den Unterschied sofort.

Zollkanal in der Speicherstadt mit Turm der Hauptkirche Sankt Katharinen
Am Zollkanal endet die Speicherstadt, dahinter beginnt die Altstadt mit Sankt Katharinen. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0

Wann man kommen sollte

Die Speicherstadt ist ein öffentlicher Stadtteil, keine Anlage mit Öffnungszeiten. Straßen und Brücken sind rund um die Uhr zugänglich und kostenlos. Die Museen darin haben eigene Zeiten und Preise.

Für Fotos ist die blaue Stunde die beste Zeit, wenn die Beleuchtung angeht und der Himmel noch Farbe hat. Die Anlage wird abends angestrahlt. Der bekannteste Blick auf das Wasserschloss geht von der Poggenmühlenbrücke aus, und dort steht man abends selten allein.

Lage

Zwischen Zollkanal und Brooktorhafen
20457 Hamburg, HafenCity

Kein einzelnes Gebäude, sondern ein ganzes Viertel. Guter Startpunkt: Am Sandtorkai.

Öffnungszeiten

Straßen und Brücken rund um die Uhr

Die Museen im Viertel haben eigene Zeiten. Beleuchtung abends bis etwa Mitternacht.

Eintritt

  • Das Viertel selbst ist frei zugänglich
  • Museen kosten getrennt Eintritt
  • Fleetfahrten mit der Barkasse ab etwa 20 €

Barkassenfahrten starten unter anderem an den Landungsbrücken und am Baumwall.

Anfahrt

  • U3 Baumwall, rund fünf Minuten zu Fuß
  • U1 Meßberg, rund fünf Minuten
  • U4 Überseequartier für das östliche Ende

Mit dem Auto ist es unpraktisch, Parkplätze sind rar.

Wer mehr Zeit hat: Vom Zollkanal sind es zehn Minuten zu Fuß bis zum Chilehaus im Kontorhausviertel, das zum selben Welterbe gehört.

Zum Speicherstadtmuseum

Anderthalb Kilometer Lagerhaus, gebaut für Waren und heute besucht wegen der Aussicht.