Hamburger Rathaus
Ein Regierungssitz mit 647 Räumen, gebaut auf viertausend Eichenpfählen. Und für acht Euro kann man hineinschauen.
Mehr Zimmer als der Buckingham Palace
Der Satz fällt bei fast jeder Führung, und er stimmt tatsächlich: Das Hamburger Rathaus hat 647 Räume, der Buckingham Palace kommt auf rund 600. Von außen sieht man davon wenig. Was man sieht, ist eine 111 Meter breite Sandsteinfassade mit zwanzig Kaiserfiguren und einem Turm, der alles ringsum überragt.
Das Gebäude ist jünger, als es wirkt. Es wurde erst zwischen 1886 und 1897 errichtet, in einer Zeit, in der Hamburg seinen Reichtum zeigen wollte. Bis heute arbeiten hier Senat und Bürgerschaft, also Regierung und Parlament der Stadt, unter einem Dach.
Ein Rathaus aus Trotz
Hamburg hatte lange kein eigenes Rathaus mehr. Das alte stand an der Trostbrücke und wurde 1842 beim Großen Brand gesprengt, um eine Schneise gegen das Feuer zu schlagen. Es half nichts, große Teile der Stadt brannten trotzdem ab. Danach dauerte es mehr als vierzig Jahre, bis ein Nachfolger stand.
Der Grund war weniger Geldmangel als Uneinigkeit. Erst 1886 begann der Bau, geplant von einem Zusammenschluss aus neun Architekten unter Leitung von Martin Haller. Elf Jahre später war das Haus fertig. Es kostete elf Millionen Goldmark, nach heutigem Wert rund achtzig Millionen Euro.
Der Untergrund ist Marschland, deshalb steht das Gebäude auf mehr als 4.000 Eichenpfählen. Die halten nur, solange sie im Grundwasser liegen und keine Luft an sie kommt. Der Wasserstand unter dem Rathaus wird deshalb bis heute überwacht.
Wo die Politik sitzt
Das Rathaus ist kein Museum, sondern ein Arbeitsplatz. Der Senat, also die Landesregierung, tagt hier ebenso wie die Bürgerschaft, das Landesparlament. Beide teilen sich das Haus: Der Senat residiert im Westflügel, die Bürgerschaft im Ostflügel. Die Trennung ist auch baulich sichtbar.
Zu sehen bekommt man bei einer Führung unter anderem den Großen Festsaal, den Kaisersaal und den Plenarsaal der Bürgerschaft. Welche Räume tatsächlich geöffnet sind, hängt vom Tagesgeschäft ab. Bei Staatsbesuchen oder Sitzungen fallen Führungen auch mal ganz aus.
Der Innenhof lohnt einen eigenen Blick. In seiner Mitte steht der Hygieia-Brunnen, benannt nach der griechischen Göttin der Gesundheit. Er wurde 1895 aufgestellt, drei Jahre nach der Cholera-Epidemie, an der in Hamburg fast 9.000 Menschen starben. Die Stadt hatte damals als eine der letzten Großstädte Europas kein gefiltertes Trinkwasser.
Besuch planen
Die Rathausdiele im Erdgeschoss ist tagsüber frei zugänglich. Wer mehr sehen will, braucht eine Führung. Anmelden muss man sich als Einzelgast nicht, Karten gibt es vor Ort am Schalter in der Diele.
Adresse
Rathausmarkt 1
20095 Hamburg, Altstadt
Die Rathausdiele im Erdgeschoss ist ohne Ticket zugänglich.
Führungen
- Montag bis Freitag 11 bis 16 Uhr, in den Schulferien ab 10 Uhr
- Samstag 10 bis 17 Uhr, November bis März 10 bis 16 Uhr
- Sonntag 10 bis 16 Uhr, November bis März 11 bis 16 Uhr
Dauer etwa eine Stunde. Englische Führungen um 11:15, 13:15 und 15:15 Uhr.
Preise
- Erwachsene und Jugendliche 8 €
- Mit HamburgCARD 6 €
- Gruppen ab 15 Personen 6 € pro Person
- Kinder bis 14 Jahre frei
Einzelgäste brauchen keine Voranmeldung. Stand August 2026.
Anfahrt
- U3 Rathaus, direkt vor der Tür
- S1 und S3 Jungfernstieg, zwei Minuten zu Fuß
- U1 Meßberg oder U2 Gänsemarkt, jeweils rund zehn Minuten
Parkhäuser gibt es in der Innenstadt, sie sind aber teuer.
Ein Tipp am Rande: Direkt neben dem Rathaus liegen die Alsterarkaden, und dahinter beginnt die Innenstadt mit Jungfernstieg und Binnenalster. Ein Rundgang lässt sich gut verbinden.
Ein Parlament, eine Regierung und ein Brunnen, der an eine Seuche erinnert. Hamburg baut seine Geschichte gern mit ein.