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Chilehaus

Ein Bürohaus, das aussieht wie ein Schiff. Bezahlt mit Salpeter aus Chile.

Ein Kontorhaus mit Schiffsbug

Das Chilehaus ist ein Bürogebäude, und trotzdem stehen davor jeden Tag Menschen mit Kameras. Der Grund ist die Ostspitze: Weil zwei Straßen spitzwinklig aufeinandertreffen, läuft das Haus dort zusammen wie der Bug eines Schiffes. Der Architekt hat diesen Zufall nicht kaschiert, sondern zum Motiv gemacht.

Gebaut wurde zwischen Mai 1922 und Februar 1924, entworfen von Fritz Höger. Seit dem 5. Juli 2015 gehört das Haus zusammen mit dem übrigen Kontorhausviertel und der Speicherstadt zum UNESCO-Welterbe.

1924Fertigstellung
10Stockwerke
36.000 m²Geschossfläche
2015UNESCO-Welterbe
Fassadendetail des Chilehauses in Hamburg mit gestaffelten Balkonreihen und Klinkermauerwerk
Die gestaffelten Geschosse und das gezackte Mauerwerk sind typisch für den Backsteinexpressionismus. Foto: Ajepbah, CC BY-SA 3.0

Wie Salpeter zu Backstein wurde

Bauherr war Henry Brarens Sloman, ein Hamburger Kaufmann, der sein Vermögen mit dem Abbau und Handel von Chilesalpeter gemacht hatte. Salpeter war damals als Dünger und für die Sprengstoffherstellung gefragt. Daher der Name des Hauses, und daher auch der Andenkondor, der an der Fassade auftaucht.

Die Bauzeit fiel mitten in die Inflation. Sloman hatte sein Geld in ausländischer Währung, was ihn unabhängig von der Geldentwertung machte. Während viele Projekte scheiterten, wurde hier weitergebaut.

Verwendet wurden Bockhorner Klinker aus Oldenburg, ein dunkler, hart gebrannter Ziegel. Höger ließ sie so vermauern, dass die Fassade Muster und Schattenkanten bekommt. Bei tiefstehender Sonne wirkt die Wand dadurch fast plastisch.

Luftbild des Chilehauses in Hamburg mit der spitz zulaufenden Grundform im Kontorhausviertel
Von oben zeigt sich die Grundform, die dem Haus den Vergleich mit einem Schiff eingebracht hat. Foto: Dirtsc, CC BY-SA 3.0

Warum es Backsteinexpressionismus heißt

Der Stil entstand nach dem Ersten Weltkrieg vor allem in Norddeutschland. Er greift die alte Backsteingotik auf, verzichtet aber auf historische Zitate und arbeitet stattdessen mit Kanten, Staffelungen und Zacken. Das Chilehaus gilt als sein bekanntestes Beispiel.

Auffällig sind die durchlaufenden Fensterbänder mit den geschwungenen Brüstungen, die sich zur Spitze hin verjüngen. Nach oben treppen sich die Geschosse zurück, was dem Haus die Silhouette gibt, für die es berühmt ist.

Das Chilehaus steht nicht allein. Es gehört zum Kontorhausviertel, dem ersten reinen Bürostadtteil Europas. Direkt daneben liegen der Sprinkenhof, der Messberghof und der Mohlenhof, alle aus derselben Zeit und im selben Material.

Portal A des Chilehauses in Hamburg mit goldenem Schriftzug und Wappen
Über Portal A prangen Andenkondor und Hirsch, ein Hinweis auf Chile und den Bauherrn. Foto: Dietmar Rabich, CC BY-SA 4.0

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Das Chilehaus ist ein aktives Bürogebäude, die Etagen sind nicht öffentlich. Die beiden Innenhöfe und die Durchgänge im Erdgeschoss darf man aber betreten, und dort sind auch Läden und Cafés.

Adresse

Fischertwiete 2
20095 Hamburg, Altstadt

Die berühmte Spitze zeigt nach Osten, zur Kreuzung Pumpen und Burchardstraße.

Öffnungszeiten

Innenhöfe und Passagen tagsüber zugänglich

Die Büroetagen sind privat und nicht zu besichtigen.

Eintritt

  • Außenbereich und Innenhöfe frei
  • Führungen durch das Kontorhausviertel je nach Anbieter ab etwa 15 €

Im Erdgeschoss gibt es Läden und Gastronomie.

Anfahrt

  • U1 Meßberg, rund zwei Minuten zu Fuß
  • U1 und U3 Hauptbahnhof Süd, rund sechs Minuten
  • S-Bahn bis Hauptbahnhof, rund acht Minuten

Von der Speicherstadt sind es zu Fuß etwa zehn Minuten.

Für Fotos der Ostspitze stellt man sich am besten an die Ecke Pumpen und Burchardstraße. Am frühen Morgen oder späten Nachmittag steht das Licht am günstigsten, dann treten die Kanten im Mauerwerk hervor.

Zur Website des Chilehauses

Ein Bürohaus, das seit hundert Jahren so tut, als wollte es ablegen.